Gesamtzahl der Seitenaufrufe

Sonntag, 19. August 2012

Die grüne Welle

Die folgenden Zeilen wurden mir vor einiger Zeit übermittelt. Sie sind für mich sehr interessant zu lesen, da sie mich an meine Jugend erinnern.


An der Kasse im Supermarkt spricht der Kassier eine ältere Dame darauf an, dass sie doch auch ihre eigene Einkaufstasche benutzen könne, weil die Plastiktüten schädlich für die Umwelt sind.

Die Frau bat um Entschuldigung und erklärte: „Es ist so, dass es zu meiner Zeit die grüne Welle noch nicht gab.“

Der Angestellte antwortete: „Genau das ist heute unser Problem. Ihre Generation hatte nicht genügend Umsicht, unsere Umwelt zu bewahren.“

“Sie haben Recht, unsere Generation kannte leider nicht die grüne Welle der heutigen Zeit. Wie sollten wir auch, denn zu jener Zeit brachte man die Milch-, Bier- und Limonadeflaschen in das Geschäft zurück. Der Laden schickte sie wieder zum Hersteller, wo sie gereinigt und sterilisiert wurden, bevor sie neu befüllt wurden. Auf diese Weise konnten dieselben Flaschen viele Male benutzt werden.

Das war effektives Recycling zu 100%.

Aber wir hatte keine grüne Welle in jener Zeit.

Wir stiegen die Treppen hinauf, denn es gab keine Rolltreppen in jedem Geschäft oder Büro.

Wir gingen zu Fuß zum Einkaufen, anstelle mit unserem 300 PS-Wagen zu fahren, wenn wir 2 Blöcke weit laufen müssten.

Aber Sie haben recht. Wir hatten keine grüne Welle in jenen Tagen.

Damals wurden die Windeln der Babys gewaschen, denn es gab keine Einweg- und Wegwerfwindeln.

Wir trockneten die Wäsche noch auf der Leine, nicht in diesen energiefressenden 220 Volt–Maschinen. Allein die Kraft von Sonne und Wind trocknete unsere Wäsche.

Die Kinder trugen die Sachen ihrer älteren Geschwister, nicht immer nur was Neues.

Aber sie haben Recht: Wir hatten keine grüne Welle zu unserer Zeit.

Damals hatten wir einen Fernseher oder Radio pro Haushalt, nicht einen Fernseher pro Zimmer. Und der Fernseher hatte einen Bildschirm in der Größe eines Taschentuchs (erinnern Sie sich?) und nicht einen Monitor wie für ein Stadion.

In der Küche rührten und kneteten wir von Hand, denn es gab keine elektrischen Geräte, die uns das alles abgenommen hätten.

Wenn wir etwas Zerbrechliches per Post versenden wollten nahmen wir zerknüllte Zeitungen zum Schützen und keine luftgepolsterten Plastikformen.

In jenen Tagen warfen wir keinen Motor an und verbrauchten damit Benzin, nur um den Rasen zu mähen. Wir benutzten einen Rasenmäher, der mit Muskelkraft angetrieben wurde.

Wir hatten unsere Bewegung als Bestandteil des Alltags, so mussten wir nicht zu einem Fitness-Studio gehen, um auf elektrisch angetriebenen Bändern in geschlossenen Räumen zu laufen.

Aber Sie haben recht: Wir hatten in den Zeiten keine grüne Welle.

Wir tranken aus dem Brunnen, wenn wir Durst hatten, anstatt jedes Mal Glas- oder Plastikflaschen zu nehmen, wenn wir Wasser trinken wollten.

Wir füllten die Tinte in unseren Füllern auf, anstatt jedes Mal neue Patronen einzusetzen,

und wir wechselten beim Rasierer die Klingen, statt das ganze Gerät wegzuwerfen, wenn die Klinge unscharf war.

Aber wir hatten damals keine grüne Welle!

In jenen Zeiten hatten die Menschen die Eisenbahn oder einen Bus, und die Kinder fuhren mit dem Rad zur Schule oder sie gingen zu Fuß, anstatt die Mama wie ein 24-Stunden-Taxi einzusetzen.

Wir hatten in jedem Zimmer eine Steckdose, nicht eine ganze Steckdosenbank um Dutzende von Geräten zu versorgen.

Und wir brauchten kein elektronisches Gerät, um Signale von Satelliten über tausende von Kilometern aus dem Weltraum zu empfangen, um die nächstgelegene Pizzeria zu finden.

Also, finden Sie es nicht auch bedauerlich, dass die heutige Generation uns alte Menschen als Dummköpfe beschimpft, bloß weil wir in unserer Zeit keine grüne Welle hatten?"


Kommentare:

  1. Liebe Lemmie,
    das ist ein sehr guter Rückblick in die Zeit, welche wir erleben durften. Ich fürchte, Menschen des Alters unter 40 Jahre, werden dazu die Augen verschließen. Sie wollen sowas nicht wahrhaben. Bei denen ist doch alles "Schnee von Gestern". Wo die Entwicklung hinführt, erfahren wir heute, wenn wir nur auf das Thermometer schauen.
    Liebe Grüße,
    Werner!

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Das Seltsame ist, dass wir zwar jede Menge Hilfsmittel, aber viel weniger Zeit zur Verfügung haben.

      Löschen
  2. immer mehr und stets neue dinge - und doch ist das system so, dass wir nicht zufrieden sein können.
    auch ich gehöre zu der generation die vergleiche anstellen kann, eine rasante entwicklung. global gesehen - sehr ungesund.
    es gab eine untersuchung mit wie vielen dingen die menschen vor hundert jahren auskommen konnten (mussten) und dazu im vergleich unsere vollgestopften wohnungen.
    leidvolle erfahrungen bei umzügen!
    der bürgerladen (zum nutzen der örtlichen vereine) bei uns nahm keine sachen mehr an, zu voll...

    die obige liste ist bestimmt noch zu ergänzen ;).
    lg kelly

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Da gibt es noch viel mehr dazu zu sagen bzw. zu ergänzen.

      Löschen
  3. ein gutes vergleich von jetzt und vor Jahren und ich muss sagen einiges könnte man wieder an schaffen von damals oder abschaffen manches von heute!
    Modernisieren ist recht und schön aber auch viel zu bequem und manches ungesund oder überflüssig..
    man sollte wieder mehr sich Zeit nehmen sich für all das was man am alltäglichen macht!

    Lieben Gruss Elke

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Zeit nehmen für andere Menschen und für die Familie, das wäre wünschenswert. Zum Beispiel eine PC-freie Woche bzw. eine Woche ohne TV.

      Löschen
  4. Das ist so wahr, das kann man gar nicht oft genug betonen.

    AntwortenLöschen
  5. Nicht jeder "Fortschritt" ist ein Fortschritt ;-)

    Muss auch immer schmunzeln, wenn plötzlich so "neue" Dinge heraus gefunden werden, was gut für die Gesundheut sein soll und so... vor paar Jahrzehnten wusste man das noch - und nun ist es auf einmal eine ganz neue Erfindung ;-D

    Aber manche Dinge sind auch doch wirklich ein Fortschritt - z.B. dass Frauen nicht mehr ganz so für dödelig eingeschätzt werden und manch anderes.

    Die gesamte Entwicklung dauert lange - aber gut Ding braucht Weile :-D

    Grüssle,
    die frieda

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Dass Frauen als vollwertige Menschen angesehen werden, dazu braucht es noch einige Generationen. Aber wir sind auf dem Weg.

      Löschen
  6. Liebe Lemmie – also die Zeiten mit Milchkanne, Einkaufsnetz und Stoffwindeln für's Geschwisterlein hab ich auch noch erlebt. Letzteres war hart, aber herzlich. Es wehte immer ein gewisser Duft durch die Wohnung. Oder wie die Wiener sagen würden – A Waunsinn!

    Und was die Anmerkung 'Frauen als vollwertige Menschen' angeht, nur Deppen halten Frauen für dödelig. Zeigt ja schon die Evolution, denn das weibliche Prinzip muss zuerst da gewesen sein. Das männliche entstand aus dem weiblichen.
    Beweis – unter anderem die Brustwarzen. Wofür haben Männer Brustwarzen? Es ist ein Überbleibsel des weiblichen Prinzips aus dem sie entstanden sind.

    Herzliche Grüße!
    G.

    AntwortenLöschen